Versteckte vs. akute Lebensmittelallergien
Lebensmittelallergien, die sofort Symptome wie Juckreiz, Hautausschlag oder sogar Atemnot verursachen, sind allgemein bekannt.
Weniger bekannt sind jedoch Lebensmittelallergien, die keine unmittelbaren allergischen Reaktionen hervorrufen und daher oft unbemerkt bleiben. Langfristig können sie jedoch ernsthafte chronische Erkrankungen begünstigen. Ursache dafür sind schleichende entzündliche Prozesse im Körper, die durch eine fehlgeleitete Immunreaktion auf bestimmte Lebensmittel entstehen.
Laut WHO sind 79 % aller chronischen Erkrankungen in Europa ernährungsbedingt – das betrifft über 30 Millionen Menschen. Ernährung spielt dabei eine direkte oder mitverursachende Rolle. Zudem reagieren 30 % der Deutschen (rund 21 Millionen Menschen) auf bestimmte Lebensmittel, bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 34 Jahren sind es sogar 38 %. Dies zeigt eine repräsentative Studie der Schwenninger Krankenkasse. https://www.vividabkk.de/de/presseportal/pressemitteilungen/pressedetails/studie-jeder-dritte-bundesbuerger-leidet-an-nahrungsmittelunvertraeglichkeiten
Ursache von schweren Erkrankungen
Chronische, unterschwellige Entzündungen können durch verschiedene Auslöser entstehen, einschließlich Immunreaktionen auf Nahrungsmittel. Diese Entzündungen verlaufen oft ohne akute Symptome, belasten den Körper aber dauerhaft und können langfristig zu Gewebeschäden führen.
Studien zeigen, dass versteckte Lebensmittelallergien eine wesentliche Ursache in der Entstehung chronischer Erkrankungen spielen.
Symptome
Symptome entwickeln sich oft mit einigen Tagen Verzögerung. Durch diese Verzögerung wird der Zusammenhang zum Lebensmittel nur schwer erkannt.
Chronische Müdigkeit
Gelenkschmerzen, Rheuma
Juckreiz
Verstopfung
Durchfall
Blähungen
Gefühlsschwankungen
Konzentrationsstörungen
Kopfschmerzen, Migräne
Auslöser
Normalerweise schützt die Darmschleimhaut den Körper vor unerwünschten Stoffen. Bei einer geschädigten Darmbarriere (Leaky-Gut) können jedoch unvollständig verdaute Nahrungsproteine in den Blutkreislauf gelangen. Das Immunsystem erkennt diese als fremd und bildet Antikörper, um sie abzuwehren. Dabei entstehen Immunkomplexe, die Entzündungsreaktionen im Körper auslösen können.
Diese Entzündungen verlaufen oft ohne akute Symptome, belasten den Körper aber dauerhaft und können langfristig zu Gewebeschäden führen. Der Körper reagiert also nicht grundsätzlich mit einer Abwehrreaktion auf das Lebensmittel selbst, sondern auf die fehlerhafte Aufnahme von Nahrungsproteinen ins Blut. Da immer mehr Menschen unter einem Leaky Gut leiden, nehmen auch versteckte Lebensmittelallergien zu.
Entzündungen
Reagiert das Immunsystem auf ein bestimmtes Lebensmittelprotein, setzt der Körper entzündungsfördernde Botenstoffe frei. Diese können eine Kaskade auslösen, die oxidativen und nitrosativen Stress verstärkt. Dabei entstehen aggressive Moleküle, die Zellstrukturen schädigen und chronische Entzündungen begünstigen.
Entstehung von Krankheiten
Da diese schädlichen Vorgänge den gesamten Körper betreffen, können sie die Entstehung von Stoffwechselerkrankungen wie Insulinresistenz, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Problemen begünstigen. Das bedeutet, dass eine Störung im Darm den gesamten Organismus beeinträchtigen kann.
Schädigung der Mitochondrien
Langfristig können oxidativer und nitrosativer Stress die Mitochondrien – die „Kraftwerke“ der Zellen – schädigen und die Produktion von ATP (Adenosintriphosphat) verringern. Da ATP in den Zellen zur Energiegewinnung benötigt wird, kann eine reduzierte Produktion infolge der Mitochondrien-Schädigung chronische Müdigkeit verursachen und weitere Zellfunktionen beeinträchtigen. (Link Artikel Mitochondrien). Funktionieren die Mitochondrien nicht mehr richtig, greift der Körper verstärkt auf alternative Stoffwechselwege zurück. Dabei entsteht vermehrt Laktat (Milchsäure), was eine lokale Gewebeübersäuerung fördert.
Chronische Müdigkeit
Schädigen Lebensmittelunverträglichkeiten die Mitochondrien, fehlt dem Körper Energie, was Müdigkeit und Erschöpfung verursacht. Die eigentliche Ursache – eine unerkannte Lebensmittelallergie – bleibt oft lange unbemerkt.
Studien
Lebensmittelunverträglichkeiten und chronische Entzündungen
Eine Studie von A. Fasano (2012) beschreibt, wie eine gestörte Darmbarriere („Leaky Gut“) durch Nahrungsmittelunverträglichkeiten chronische Entzündungen fördern kann, die mit Autoimmunerkrankungen, Reizdarmsyndrom und anderen chronischen Leiden in Verbindung stehen.
Quelle: Fasano A. (2012). Leaky Gut and Autoimmune Diseases. Clinical Reviews in Allergy & Immunology
IgG-vermittelte Nahrungsmittelallergien und Migräne
Eine randomisierte kontrollierte Studie von Alpay et al. (2010) zeigte, dass Migränepatienten, die bestimmte IgG-positive Lebensmittel mieden, eine signifikante Reduktion ihrer Symptome erlebten.
Quelle: Alpay K. et al. (2010). Diet restriction in migraine, based on IgG against foods: A clinical double-blind, randomized, cross-over trial. Cephalalgia.
Zusammenhang zwischen Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Reizdarmsyndrom (IBS)
Studien wie von Atkinson et al. (2004) fanden heraus, dass eine IgG-basierte Eliminationsdiät die Symptome von IBS-Patienten signifikant verbessern konnte.
Quelle: Atkinson W. et al. (2004). Food elimination based on IgG antibodies in irritable bowel syndrome: a randomized controlled trial
Chronische Entzündungen als Ursache für Zivilisationserkrankungen
Eine umfassende Übersicht von Petersen & Pedersen (2005) zeigt, dass stille Entzündungen durch Nahrungsmittelunverträglichkeiten mit Erkrankungen wie Diabetes, Arteriosklerose und Autoimmunerkrankungen in Verbindung stehen.
Quelle: Petersen AM, Pedersen BK. (2005). The anti-inflammatory effect of exercise. Journal of Applied Physiology.
Hinweis: Sämtliche medizinische Inhalte dienen lediglich der allgemeinen Information. Sie dienen ausdrücklich nicht als Ersatz für professionelle Diagnosen, Beratungen oder Behandlungen durch ausgebildete Fachpersonen.